Neues Pkw-CO2-Label:

„Grün“ ist nicht immer „grün“

Gutes Auto, böses Auto: Seit Anfang Dezember gilt ein neues Umwelt-Label für Pkw. „Das neue Öko-Label soll über eine achtstufige Farb- und Buchstabenskala von Grün bis Rot aufzeigen, wie energieeffizient ein neues Fahrzeug im Vergleich zu anderen Modellen der gleichen Klasse ist“, erklärt Kai Mormann, Verkaufsleiter im autoForum Wiegers Herford. „Generell soll das neue Pkw-CO2-Label die Verbraucherinformationen im Pkw-Handel verbessern.“ Soll, ja wenn es da nicht doch so einige Irritationen gäbe ...

Pflicht seit dem 1. Dezember 2011: Kai Mormann stattet ein Neufahrzeug mit dem neuen Pkw-CO2-Label aus.

Was beim Kühlschrankvergleich längst normal ist, gehört seit dem 1. Dezember auch beim Neuwagenkauf dazu: der Blick auf das Energie-Label. „Bereits seit 2004 müssen wir als Autohaus bei allen Neuwagen entsprechend der EU-Richtlinie sowohl in der Werbung als auch direkt am Fahrzeug Angaben zum Verbrauch und zu den CO2-Emissionen machen. Das neue Pkw-Label wird nun erweitert und orientiert sich an der Pkw-Energieverbrauchs-Kennzeichnungsverordnung (Pkw-EnVKV genannt), wie diese bei elektronischen Haushaltsgeräten gebräuchlich ist“, erläutert Kai Mormann.

Danach werden Pkw anhand von farblichen Pfeilen den Effizienzklassen A+ (grün, sehr effizient) über D (gelb, durchschnittlich effizient) bis G (rot, wenig effizient) zugeordnet. Kai Mormann: „Die Zuordnung in Effizienzklassen erfolgt unter Berücksichtigung der CO2-Emission und des Fahrzeug-Gewichtes.“ Zusätzlich, so der Verkaufsleiter des autoForum Wiegers Herford, enthalte das neue Label auch Angaben zu den durchschnittlichen Kraftstoffkosten pro Jahr und der CO2-basierten Kfz-Steuer.

So weit, so gut. Rot, Gelb, Grün – diese Ampel klingt einfach und ist für jedermann vertraut. „Grün ist leider nicht immer grün!“, argumentiert Kai Mormann, „weil bei der Zuordnung eine komplizierte Rechenformel herangezogen wird, die auch das Leergewicht eines Autos berücksichtigt. Für sparsame, nur 900 Kilogramm leichte Automobile mit einem niedrigen Verbrauch steht die Umweltampel plötzlich auf Gelb oder gar Rot! Und ein 2,5 Tonnen schweres SUV fährt in den grünen Bereich. Böse formuliert: Je dicker, desto besser! Der eigentliche Sinn des Labels, über die Energieeffizienz eines Fahrzeugs zu informieren, wird ausgehebelt.“

Grüner Balken, Buchstabe A – mit der Effizienzklasse A möchte jedes Neufahrzeug gerne ausgezeichnet werden. Die Realität sieht leider anders aus ...

„Rot“ sieht auch der ADAC, von „Etikettenschwindel“ spricht der Naturschutzbund Deutschland, Auto-Experte Wolfgang Lohbeck gar von „einer Perversion der ursprünglichen Absicht“, während der Verkehrsclub Deutschland (VCD) dazu ergänzend die neue Regelung „kontraproduktiv zum ab 2012 EU-weit geltenden CO2-Grenzwert für Neuwagen von durchschnittlich 130 Gramm pro Kilometer“ sieht. Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD, geht noch einen Schritt weiter in seiner kritischen Argumentation: „Das neue Pkw-CO2-Label verspricht auf den ersten Blick Anschaulichkeit, aber es ist nicht immer „grün“ drin, wo auch „grün“ draufsteht. Große, teure Autos können sich nun leicht mit einem dunkelgrünen Mäntelchen tarnen ...“ Und er ergänzt: „Die Umwelt kommt mit diesem Label unter die Räder!“

Eine weitere Gefahr sieht Kai Mormann. „Verbraucher kennen die dreifarbige Skala von ihrem Kühlschrank daheim und sind daher Bewertungen schlechter als „C“ nicht gewohnt. Vergleiche sind nur innerhalb der jeweiligen Gewichtsklassen möglich. So aber wird der neue Energiepass für einige Modellvarianten in den umkämpften Segmenten Kleinwagen, Kompaktklasse und SUV zu einem Wettbewerbsnachteil.“

Grundsätzlich halten Automobil-Organisationen, -Vereine und -Verbände eine Differenzierung nach Fahrzeuggröße zur Bewertung der Pkw-Effizienz zwar für richtig, die Bezugsgröße „Fahrzeugmasse“, sprich Gewicht, sei jedoch unlogisch und nicht geeignet, dem Kunden eine Orientierung für die Effizienz von Fahrzeugen zu geben. Gert Lottsiepen: „Die Fahrzeugfläche wäre bei der Rechenformel eine geeignetere Bezugsgröße für das neue CO2-Label gewesen.“

Der Honda Jazz Hybrid. „Trotz Hybrid-Technik kein Plus hinter dem Buchstaben A“, wundert sich Kai Mormann, Verkaufsleiter im autoForum Wiegers Herford.

Die „verantwortlichen“ Parlamentarier verteidigen hingegen das neue Pkw-Verbrauchslabel. Jeder Pkw werde anhand seiner spezifischen CO2-Emissionen im Verhältnis zu seinem Gewicht bewertet. Damit sei ein Vergleich innerhalb einer Fahrzeugklasse bzw. zwischen Fahrzeugen der gleichen Größe möglich: Ein Oberklassenfahrzeug könne mit einem Oberklassenfahrzeug und ein Kleinwagen mit einem anderen Kleinwagenmodell verglichen werden. Dieser sogenannte relative Ansatz, bei dem der Energieverbrauch ins Verhältnis zu einem energietreibenden Faktor gesetzt werde, sei bei anderen Produktkennzeichnungen ebenfalls üblich. Insgesamt biete das neue Pkw-CO2-Label mit den Klassen A+ bis G dem Verbraucher „eine echte Hilfestellung bei seiner Kaufentscheidung. Die erhöhte Transparenz trage zu mehr Wettbewerb zugunsten der Umwelt bei. Zudem könne der Verbraucher vor dem Kauf Unterhaltskosten abschätzen ...“

Positiv bewerten indessen Gegner und Befürworter der neuen Pkw-EnVKV, dass neben Angaben zum Verbrauch des jeweiligen Modells nun auch die zu erwartende Kfz-Jahressteuer und die Energieträgerkosten dargestellt werden müssen. Kai Mormann: „So kann sich ein vermeintlich günstiges Auto an der Tankstelle nicht plötzlich zur Kostenfalle oder zum Klimasünder entpuppen.“

Und was sollte der Neuwagenkäufer aufgrund des neuen Pkw-Energiepasses berücksichtigen? Kai Mormann: „Ein Blick auf die neue Farb- und Balkenskala verschafft eine grobe Orientierung. Der Vergleich der einzelnen CO2-Werte sollte allerdings für alle Kunden ein unerlässliches Muss sein.“

Tipp:

Auch beim Kauf eines Kühlschrankes sollte nachgefragt werden. Kühlschränke werden unter Berücksichtigung ihres Volumens in Effizienzklassen eingeteilt ..

Weitere Informationen:

www.vcd.org
www.dena.de

 


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